Überblick für Einsteiger

Wie funktioniert ein Passivhaus?                            

Was bedeutet “Mein Passivhaus-Partnersystem”?

Lohnt es sich ein Passivhaus zu bauen?               

Wer garantiert mir die Qualität?                              

Altbausanierung im Passivhausstandard möglich?

Klimawandel - was kann man tun?                        

Wie wichtig ist eine Energieberatung?                   

Wie hoch sind die staatlichen Fördermittel?           


2-Broschüre von BMVIT  / Österreich:   
Sanierungsprojekt / Leitfaden
( pdf - 6.980 kb)

3-Broschüre von BINE: Altbau - fit
für die Zukunft ( pdf - 279 kb )

4-Broschüre von Zukunft haus:
aus alt mach gut ( pdf - 12.35o kb )

Altbausanierung im Passivhausstandard

Ob ein Althaus zu einem Passivhaus werden kann, hängt von einigen Faktoren ab. Zuerst muss
man prüfen, ob das Gebäude architektonisch, funktionell und bautechnisch sanierungswürdig ist.
Wenn mindestens zwei der drei Fragen mit “Ja” beantwortet werden können, sollte die Sanierung bevorzugt werden. Manchmal ist es  nicht möglich, ein Althaus auf Passivhausstandard zu sanieren,
weil konstruktive Wärmebrücken nicht wegzubringen sind, oder die erforderlichen Dämmdicken nicht
untergebracht werden können. Leider ist auch die Zahl an qualifizierten Experten auf diesem Gebiet
noch sehr klein. Es zeigt sich aber anhand realisierter Beispiele, dass durch kompetente Beratung und
Planung ein sehr viel besserer Standard erreicht werden kann.

Dass 95% Energieeinsparung und hohe Behaglichkeit in den alten Nachkriegsbauten keine Utopie mehr
sein müssen, zeigen unter anderem viele revolutionären Sanierungsbeispiele von Einfamilienhäusern,
mehrgeschossigen Sozialwohnbauten und öffentliche Gebäudesanierungen im Passivhausstandard.

Guter Wärmeschutz und schützenswerte Fassaden - passt das zusammen? Wie in der 32. Sitzung
des  Arbeitskreises kostengünstige Passivhäuser gezeigt wurde, lassen sich durch den Einsatz von
Innendämmung auch Gründerzeitgebäude und Fachwerkhäuser auf ein verbessertes  Wärmeschutz-
niveau bringen, ohne dass dadurch die Außenansicht verändert wird. Zusammen mit den von Passiv-
haus - Neubauten bekannten Komponenten und Methoden kann man den Heizwärmebedarf von Alt-
bauten so auf weniger als ein Viertel reduzieren. Um dabei böse Überraschungen zu vermeiden, muss aber  sorgfältig geplant und ausgeführt werden.

Bauphysikalische Modellrechnungen und gebaute Beispiele zeigen: Innendämmungen lassen sich
so realisieren, dass sie langfristig schadensfrei bleiben. Dafür müssen aber wichtige Voraussetzungen erfüllt werden: Schlagregenschutz, Luftdichtheit und Wärmebrückenreduzierung müssen stimmen, aufsteigende Feuchte muss verhindert werden, eine kontrollierte Wohnungslüftung ist einzubauen.
Sowohl Konzepte mit guten Dampfbremsen auf der Innenseite als auch diffusionsoffene Dämmungen
mit kapillaraktiven Dämmstoffen haben sich in der Praxis bewährt - entscheidend ist hier, dass das gewählte Konzept konsequent durchgehalten wird und an Standort und Gebäude angepasst ist.

Eingehende Parameterstudien zum Feuchtehaushalt von innengedämmten Wänden, durchgeführt mit dem Feuchte- und Wärmestromberechnungsprogramm Delphin, wurden auf der Arbeitskreissitzung präsentiert. Sie zeigten u.a. die Bedeutung einer lückenlosen Ausführung der Dampfbremse, um die angestrebte dampfbremsende Wirkung tatsächlich zu erreichen. Auch ein konvektiver Feuchteeintrag
durch Hinterlüftung der Dämmung ist unbedingt zu vermeiden. Dagegen zeigte sich, dass die häufig diskutierte Flankendiffusion, z.B. an einbindenden Innenwänden, für hygroskopische Baustoffe wie Mauerwerk oder Holz normalerweise unproblematisch ist.

Mit gut ausgeführter Innendämmung und Passivhauskomponenten kann der Energiebedarf sensibler
Altbauten deutlich unter das Anforderungsniveau der EnEV für den Neubau gebracht werden.
Mit Außendämmung sind allerdings noch höhere Einsparungen wirtschaftlich realisierbar.
Ergebnisse und Details zu diesem Arbeitskreis sind im Protokollband AK 32 zusammengefasst,
dieser kann beim Passivhausinstitut unter www.passiv.de bestellt werden.

... oder darf es etwas weniger sein?

Seltsam, diese Frage wird einem beim Bäcker oder Gemüsehändler kaum gestellt. Wohl aber im Bau-
handwerk und bei der Bauwirtschaft, wenn es darum geht, an der Wärmedämmung, der Qualität der
Fenster und der Effizienz der Lüftung zu sparen. Die Zurückhaltung ist nur historisch zu verstehen:
Der Bau kam zur Wärmedämmung und zur Energieeffizienz wie die Jungfrau zum Kind. Man war es
gewohnt, Beton, auch Stahl, Ziegelsteine, edle Putze und aufwändige Technik zu verkaufen.

Energieeinsparung, das war etwas für die Umweltspinner. Schlimmer noch, es wurde staatlich
verordnet was geradezu als Beweis dafür galt, dass möglichst wenig davon sicher gut genug ist.
Diese Grundhaltung ist immer noch weit verbreitet und die Branche schadet sich selbst damit.
Etwas weniger Dämmung das könnte das entscheidende Quäntchen sein, das die Wohnung vor
Feuchteschäden schützt und den Eigentümern künftig den Zugang zu hoch effizienten Heiz- und Kühltechniken verbaut. Dieses etwas weniger später irgendwann nachträglich zusätzlich anbringen
zu wollen, das würde sehr teuer und selbst bei sehr hohen Energiekosten niemals wirtschaftlich werden.

Die Dämmung jetzt, wenn die Maßnahme gerade durchgeführt wird, gleich in besserer Qualität aus-
zuführen das kostet allenfalls ein paar Euro auf den Quadratmeter.
Das Passivhaus Institut hat die Ökonomie der Wärmedämmung von Gebäudehüllen aktuell unter den
gegenwärtigen Randbedingungen neu untersucht: Demnach liegen passivhaustaugliche Konstruktionen
heute mitten im wirtschaftlichen Optimum. Das bedeutet, dass sie es auch in den vergangenen Jahren
schon waren; nur der Glaube an das immerfort billig fließende Öl hat diese Einsicht verstellt. Guter
Wärmeschutz ist aber gar nicht primär eine Frage der Wirtschaftlichkeit der Energieeinsparung.
Es ist vielmehr eine Frage des nachhaltigen Schutzes der Bausubstanz und des gesunden und behaglichen Wohnens.
Das ist im Protokollband 24 des Arbeitskreises kostengünstige Passivhäuser Passivhaustechnologien
bei der Altbaumodernisierung detailliert dokumentiert.
Die richtige Frage vor diesem Hintergrund ist ... darf es auch ein bisschen mehr sein?

Dr. Wolfgang Feist

Passivhaus Institut